Immer wenn vom schwachen Europa geredet wird, von den Schwierigkeiten in der südlichen Peripherie, dann wird zugleich auch auf das ungemein prosperierende, das ohne Unterlass von Erfolg zu Erfolg eilende Deutschland im Herzen des Kontinents verwiesen. Dort nämlich brummt die Ökonomie und Politiker werden nicht müde, dies zum einen mit dem Verweis auf einige wichtige Reformen von vor 10 Jahren zu begründen, zum anderen aber auch Umstände wie Verzicht auf Lohnzuwachs oder dahinschmelzende Sparguthaben zu begründen. Eine wachsende Wirtschaft jedenfalls hat die Bundesrepublik in fast allen Branchen zu bieten, doch zugleich muss man aufpassen, dass die momentan auch sehr spezielle Situation nicht zu Problemen in der Zukunft führt.

Beeindruckende Statistik und Vergleiche

Zunächst einmal freilich überzeugen die ökonomischen Kennzahlen: Deutschland hat ein BIP von rund 3,5 Billionen Euro zu bieten, das sind weit mehr als 40.000 Euro im Jahr und pro Kopf! Das Wirtschaftswachstum ist natürlich nicht zu vergleichen mit aufholenden Giganten wie China, aber weist trotzdem mittlerweile einigermaßen stabile Raten aus, um die 1 Prozent. Die Dienstleistung hat strukturell den höchsten Anteil an der Wertschöpfung, gefolgt von der Industrie und einem kleinen Teil Landwirtschaft. Die Erwerbsquote beträgt mehr als 60 Prozent, das sind umgekehrt fast 44 Millionen Arbeitnehmer, die zudem in die Sozialkassen einzahlen und so die in Deutschland ausgezeichnete Absicherung der Menschen finanzieren. Niedrige Arbeitslosenquoten und – zahlen zeugen außerdem von der Stärke der Ökonomie und aufgrund einiger äußerer Bedingungen dürfte das auch erstmal so bleiben.

Das Problem mit dem Euro

Wie kein anderes Land in Europa profitiert Deutschland nämlich von einer äußerst schwachen Außenwirkung. Weil im Süden des Kontinents kein Reformwillen herrscht und Staaten wie Italien und Spanien lieber auf Abwertung als Konkurrenzfähigkeit beim Wirtschaften setzen, muss die EZB, die auch noch von einem Italiener geleitet wird, die Zinsen nach unten drücken. Das ist insgesamt schlecht für die Eurozone, weil Reformen verzögert, Pleitestaaten am Leben gehalten und starke Länder wie Deutschland unverhältnismäßig leicht ihre Produkte verkaufen können.

Der schwache Euro könnte außerdem dazu verleiten, weniger in Innovationen zu investieren und am Ende könnten die deutschen Unternehmen sogar das Nachsehen haben, wenn sich irgendwo auf der Welt beispielsweise im Automobilbau neue Trends durchsetzen, die man hierzulande verschlafen hat. Eine starke Exportwirtschaft wie in Deutschland führt zu Werteabflüssen, die aber nicht durch andere Werte bezahlt, sondern vielfach mit (in der Zukunft wertlosen) Kapitalzusagen beglichen werden. Ob das gut gehen kann?

Herausforderungen an die Zukunft

 

Neben einer ständigen Bereitschaft zur Reform muss Deutschland ein wenig mehr für den Import tun. Reale Waren und Güter anstatt nur Kapitalverschreibung für die hochwertigen Exportgüter, das ist auf jeden Fall ein Weg, den es einzuschlagen gilt. Zudem sollte der Druck auf die EZB steigen, endlich wieder die Zinsen anzuheben, damit die Bundesrepublik und ihre Anleihen nicht mehr zu Fantasiepreisen gehandelt werden wie im Moment. Der Euro ist eklatant unterbewertet und es wäre für die gesamte Eurozone wirtschaftlich besser, jetzt und sofort Staaten wie Italien und Griechenland mit höheren Zinsen zu Reformen zu zwingen als den Schlendrian durchgehen zu lassen, das führt am in der Summe dann nur zu noch viel größeren Problemen und diese könnten dann auch Deutschland in den Abgrund treiben.